Mail X Art

Ein Bericht von Antonia Low

Die Pandemie verunmöglichte den neuen Studierenden des Studiengangs Intermediales Gestalten (IMG) regelmäßige Treffen – in der Gruppe und mit den Lehrenden. Mit dem Mail-Art Projekt versuchten wir, durch die Versendung von Multiples Kontakt zu halten und uns trotz der vorgeschriebenen Distanz auf traditionellem Postweg näher kennenzulernen. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhielt ein Exemplar der versendeten Edition. Die Vorfreude auf Post wie auch die Überraschung über die erhaltenen Objekte waren ungeheuer groß. In digitalen Gruppentreffen wurde jedes Exemplar individuell für das digitale Bild inszeniert und gemeinsam besprochen.
Zum Beispiel initiierte Nora Cherki ein Telefonorakel per Briefsendung. Elisa Lohmüller verschickte an uns jeden ein einziges handgeschöpftes Blatt Papier transformiert aus ihrem vollgeschriebenen Notizbuch. Waed Alhajj formte individuelle Tonobjekte aus der Erinnerung an syrische Granatäpfel und teilte mit uns damit ein Stück seiner Heimat (siehe Abb.1). Noemi Strittmatter gipste leere Kartons ein, die bei postalischem Erhalt unterschiedlich interpretiert wurden: Manche nahmen sie als fragiles Objekt behutsam entgegen, andere rissen den Gips erwartungsvoll auf (siehe Abb.2). Leonie Weber brachte Packungen abgezählter tiefgefrorener Bohnen auf ihren auftauenden Postweg. Wir erhielten riechende, durchnässte und von der Post vorsorglich in Plastik verschweißte Packungen, die Mitbewohner, Nachbarinnen sowie Nachbarn aufbewahrten, uns übergaben und sich so neugierig in den künstlerischen Austausch involvieren ließen (siehe Abb.3). So wurde das Mail-Art Projekt bundesweit zu einem partizipativen Ereignis für ganze Hausgemeinschaften.
Hier die Anleitung des Mail-Art Projektes als Beispiel für ein gemeinschaftsbildendes partizipatives Kunstprojekt im pandemischen Lock-Down:

Anleitung:

  • Jede*r Studierende produziert eine Edition (Multiples) an kleinen Originalwerken, in einer Auflage von 13 Stück (dies war die Anzahl der beteiligten Studierenden). 

  • Jedes Stück sollte in ein Paket mit maximaler Größe passen: 35 x 25 x 10 cm. Das Gewicht des Pakets sollte 2 kg nicht überschreiten (Maße und Gewicht entsprechen dem eines kleinen Päckchens der Post). 

  • Jedes dieser Editionsstücke (oder Multiple) wird an eine Adresse einer/s Mitstudierenden wie auch an die Lehrenden verschickt. 

  • Bis zum Zeitpunkt des digitalen Treffens müssen alle Exemplare bei den Adressatinnen und Adressaten angekommen sein. 

  • Das 13. Exemplar wird als potentielles Ausstellungsstück jeweils behalten. 

  • Zu den digitalen Gruppenbesprechungen sollen alle Exemplare von jeder/jedem vorliegen. Sie sollen für das digitale Bildkästchen inszeniert und im Einzelnen gemeinsam besprochen werden. 

  • An dem 13. Exemplar kann danach weitergearbeitet werden. Eine abschließende Ausstellung aller 13 Exemplare ist geplant. 

Hier die Dokumentation der einzelnen Positionen->